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Mankell, Henning: Das Auge des Leoparden.
Roman. Aus d. Schwed. v. Paul Berf. 2004. 379 S. 21 cm. Gebunden. 550gr.
"Der Chronist der Winde" hat Afrika aus der Perspektive eines Straßenkindes beschrieben. "Das Auge des Leoparden" erzählt von den Erfahrungen eines erwachsenen Mannes auf diesem faszinierenden und fremden Kontinent.
Eigentlich hatte der jungeMann nur eine kurze Reise nach Afrika machen wollen, aber dann war er neunzehn Jahre gebliegen. Statt in Uppsala sein Jurastudium zu beenden, übernimmt er in Lusaka die Hühnerfarm einer weißen Engländerin, deren Mann im Busch verschollen ist. Dabei verfolgt er ehrgeizige Reformpläne: Er will neue Häuser für die Schwarzen bauen, ihnen höhere Löhne zahlen und ihren Kindern eine Schule einrichten. Er sorgt für die Witwe eines schwarzen Handwerkers und ihre vier Töchter, deren jüngste für ihn wie eine eigene Tochter wird. Doch bald mehren sich die Zeichen, dass sich die Zustände wohl nicht so rasch in seinem Sinne ändern lassen. Seine weißen Nachbarn werden massakriert. Den Kopf seines getöteten Schäferhundes findet er mit herausgeschnittener Zunge an einen Baum gebunden. Und der Mann, den er für seinen einzigen schwarzen Freund hält, rät ihm, für immer wegzugehen.
Jahre in Afrika
Ein Meisterwerk des Krimiautors Henning Mankell
Hans Olofson liegt in einer schäbigen Hütte im afrikanischen Busch und wird von Fieberphantasien geschüttelt. Er umklammert einen Revolver, prüft immer wieder, ob genügend Patronen vorhanden sind, glaubt, sich auf einen Überfall von Banditen vorbereiten zu müssen. Er weiß, daß er wahrscheinlich nicht genügend Kraft haben wird, den Revolver abzufeuern…
Zwischen den Fieberanfällen zieht sein bisheriges Leben an ihm vorbei. Seine Kindheit und Jugend in einem gottverlassenen nordschwedischen Kaff. Der Vater Waldarbeiter, der als ehemaliger Seemann mit seinem Dasein an Land nicht zurechtkommt, die Mutter hatte sich früh aus dem Staube gemacht, Hans kann sich nicht an sie erinnern, kennt nur ein Foto. Seine einzigen Vertrauten sind ein Schulkamerad, der aus besseren Kreisen stammt, und Janine, eine Frau ohne Nase, die von den meisten Dorfbewohnern gemieden wird. Als sein Schulfreund bei einer Mutprobe von einer Brücke fällt, bleibt ihm nur noch Janine, sein Vater hat sich längst dem Suff ergeben. Janine erzählt ihm von einem schwedischen Missionar, dessen Wirkungsstätte und Grab in Sambia sie eines Tages besuchen möchte. Als Janine sich später das Leben nimmt, will Hans ihren Traum stellvertretend verwirklichen. 1969 landet er in Afrika, besucht die Mission, und entschließt sich auf dem Rückweg nach Lusaka, noch in Sambia zu bleiben. Er bleibt 18 Jahre in Afrika.
Der Schöpfer der Wallander-Romane, der in Schweden und im mosambikanischen Maputo lebt, erweist sich hier nicht nur als exzellenter Afrika-Kenner, sondern vor allem wieder einmal als herausragender Erzähler. Er berichtet die packende Geschichte des schwedischen Auswanderers auf zwei scheinbar parallelen Handlungsebenen und erzeugt damit eine Spannung, die es sehr schwer macht, dieses Buch wieder aus der Hand zu legen.
U.B.
(Balaton Zeitung, Ausgabe 11/2004)
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